Daniela (Jg. 1970) und Heiner (Jg. 1968)
verheiratet, Wolfen
Heiner schreibt:
Es war im Sommer 1989. Wir waren in einem Zeltlager für Rollstuhlfahrer des DRK. Ich habe meinen Freund und Nachbarn (Rollstuhlfahrer), den ich schon seit 1985 kannte, betreut und Daniela war mit einer Betreuerin aus Thüringen angereist. Die ersten Tage beachteten wir uns gegenseitig eigentlich nicht weiter. Bis dann ein Ausflug zu einem Jugendclub im Nachbarort stattfand. Dort wurden einige sportliche Aktivitäten angeboten.
Daniela hatte Lust, auf der Bahn sitzend, die Kegelbahn unsicher zu machen. Ich war in der Nähe und habe ihr die Kugeln gereicht und sie auch etwas festgehalten, damit sie nicht umkippte. Wir haben das ziemlich ausdauernd gemacht. Ich selbst habe mir nichts dabei gedacht und wollte ihr nur eine Freude machen.
Am Abend saßen wir noch in großer Runde zusammen und haben uns bis spät unterhalten. Zur Schlafenszeit brachte ich Daniela in ihr Zelt und es war ihr ein Bedürfnis mir einen Kuss zu geben. Da ging bei mir ein Licht auf. Habe ich das mit dem Kegeln etwa übertrieben?
Die restlichen Tage trennten wir uns nur noch zum Schlafen und gingen spazieren, unterhielten uns sehr viel, machten aber noch keine sehr weitreichenden Pläne. Meiner Ansicht nach durfte sowieso nichts übereilt werden, ich war in Beziehungen kein Mensch schneller Entscheidungen. Der Abschied vom Zeltlager und somit voneinander fiel uns beiden sehr schwer. Wir wollten uns auf jeden Fall wiedersehen. Es sollte aber durch ungünstige Umstände ganze drei Monate dauern, bis wir uns wieder sehen konnten.
Zwischendurch konnten wir uns nur per Post oder Telefon austauschen. Ich fuhr also endlich in das von mir 140 km entfernte Dorf und wurde überglücklich von Daniela empfangen. Das Wochenende ist aber viel zu schnell vergangen und wir mussten uns wieder trennen.
Daniela sollte unbedingt auch mal mich besuchen. Das war natürlich nicht einfach. Als erstes musste ich meine Eltern von dieser Situation überzeugen. Schließlich wollten sie nur mein 'Bestes'. Da ich außerdem noch bei meinen Eltern im ersten Stock wohnte und mir das Zimmer mit zwei Brüdern teilte, wurde die ganze Sache nicht leichter. Durch meine Freundschaft mit meinem Nachbarn wusste ich aber besser als alle anderen, was auf mich zukam. Es dauerte einige Wochen, bis es so weit war und wir sahen uns wieder. Auf diese Weise ging es über Jahre immer hin und her. Daniela fuhr immer mit dem Zug, ich hatte eine Zeit lang auch kein Auto und so fuhren wir dann beide je Strecke ganze fünf Stunden mit dem Zug.
1991 im gemeinsamen Urlaub holte ich zu Danielas Überraschung die Verlobungsringe raus und es war wieder ein Stück zur gemeinsamen Zukunft geschafft.
Die Lücken zwischen unseren gegenseitigen Besuchen wurden immer kürzer. Aber auf Dauer war das nicht mehr auszuhalten und wir gingen auf Wohnungssuche. Das dauerte eine Ewigkeit, weil einfach keine rollstuhlgerechte Wohnung zu finden war. Im Juni 1993 war es endlich so weit und wir konnten unsere eigenen vier Wände beziehen.
So lebten wir glücklich und zufrieden fast zwei Jahre in wilder Ehe. Weil das ohne Probleme sehr gut funktionierte, waren wir uns einig, im März 1995 zu heiraten.
8. März 2004