Larissa (Jg. 1986) und Richard (Jg. 1977)
zusammen, Schweringen/Sassenburg
Larissa erzählt:
Kennengelernt haben wir uns, wie heutzutage so oft, im Internet auf einer Seite, die sich auf die Partnersuche für Menschen mit Behinderungen spezialisiert hat. Wir hatten uns beide dort aus reinem Interesse angemeldet und im Traum nicht daran gedacht, dass es hier überhaupt interessante Menschen gibt, die man näher kennenlernen möchte.
Auch als Richard mich ein paar Tage nach meiner Anmeldung das erste Mal angeschrieben hat, habe ich noch gedacht, dass man sich mal ein paar Mails schreibt, aber mehr auch nicht. Von seiner Behinderung wusste ich übrigens von Anfang an. Zum einen weil die Internetseite ja für sich spricht und weil er es gleich in seinem Profil erwähnt hat und weil er, im Gegensatz zu mir, auch ein Bild von sich eingestellt hatte. Die ersten Mails haben wir uns noch über diese Internetplattform geschrieben, sind dann aber ziemlich schnell auf Messenger und normale Mails umgestiegen.
Wir haben uns teilweise nächtelang geschrieben und uns über Gott und die Welt unterhalten und haben uns trotz des Altersunterschieds sehr gut verstanden. Da ich mich zu diesem Zeitpunkt (Februar 2008) noch in einer Beziehung befand, war von Anfang an klar, dass es bei lockerem Mail-Kontakt bleibt, mehr nicht!
Tja, dann kam das plötzliche Aus meiner Beziehung (Anfang März 2008) und Richard hat natürlich meinen Tiefpunkt hautnah miterlebt. Er war da, wenn ich jemanden zum Reden brauchte, man konnte sich mit ihm halt ganz zwanglos unterhalten. Als er mich dann zum zweiten Mal (beim ersten Mal hatte ich Nein gesagt) fragte, ob wir nicht mal telefonieren wollten, habe ich zugesagt und so folgte unser erstes Telefonat am 20.03.2008.
Seitdem haben wir (bis auf die Tage, an denen wir uns sehen), jeden Tag telefoniert! Es folgten viele lange und intensive Gespräche, meist bis tief in die Nacht hinein (obwohl wir beide am nächsten Tag zur Arbeit mussten). Wir haben so viele Gemeinsamkeiten und gemeinsame Gesprächthemen, dass uns auch heute nicht der Gesprächsstoff ausgeht.
Er war von Anfang an, was seine Behinderung betrifft, sehr sehr offen zu mir und hat mir sehr schnell viel von sich erzählt. Da ich vorher noch keinerlei "Erfahrungen" auf dem Gebiet Behinderung gemacht habe, wusste ich viele Dinge gar nicht (woher auch) und Richard war und ist immer bereit, mir alles genau zu erklären.
Recht schnell fragte er mich dann, ob ich nicht mal Lust auf ein Treffen hätte. Eigentlich hatte ich ja erstmal die Nase voll, was Männer oder gar eine neue Beziehung anging, nachdem meine letzte Beziehung so ein jähes Ende genommen hatte, aber ich sagte trotzdem zu. Also planten wir unser erstes Treffen, das am 04.04.2008 stattfinden sollte, sehr gründlich.
Ein wenig zu gründlich, wie sich bei unserem Treffen rausgestellt hat, denn es war eine reine Katastrophe. So schön unsere Gespräche am Telefon waren, so wenig konnten wir uns bei unserem ersten Treffen unterhalten. Ich habe mich dabei sehr unwohl gefühlt, da er für mich extra die 120 km gefahren ist, um mich abzuholen, und dann verläuft das Treffen so katastrophal.
Trotz allem haben wir weiterhin telefoniert und auch über den Verlauf des Treffens gesprochen. Wir (besser gesagt Richard) wollten einen zweiten Versuch wagen und uns noch mal treffen. Ich war von der Idee zunächst nicht ganz so begeistert, habe aber trotzdem zugestimmt. Wir hatte ja nichts zu verlieren. Am Freitag darauf ist er wieder die 120 km zu mir gefahren, hat mich abgeholt und wir haben einen sehr schönen Nachmittag miteinander verbracht. So und so ähnlich verliefen viele weitere schöne Treffen. Unseren Eltern hatten wir den anderen bis dahin noch nicht vorgestellt, da wir uns selbst erstmal kennenlernen wollten, und für mich eine neue Beziehung noch nicht in Frage kam.
Tja, meistens kommt es ja doch anders als man denkt und die Gefühle siegen gegen den Verstand. So war es auch bei mir der Fall, so dass wir seit dem 07.06.2008 sehr glücklich zusammen sind. Unsere Eltern haben den jeweils anderen mittlerweile kennengelernt, und ich verstehe mich sowohl mit seinen Eltern sehr gut, wie auch Richard sich sehr gut mit meinen Eltern versteht. Für uns war es schon sehr wichtig, dass das Verhältnis Eltern – Partner gut ist, das wir beide ausgesprochene "Familienmenschen" sind und uns für die Zukunft selbst eine eigene kleine Familie wünschen.
18. September 2008